Frontex Plus-Triton

Einsatzplan mit Details

Frontex Plus und Frontex Triton, also die Bezeichnungen des künftigen Frontex-Einsatzes im Zentralen Mittelmeer, konzipiert zunächst als Ergänzung, dann als Ersatz der italienischen Mare Nostrum Operation, werden neue Todeszonen für Boat-people im Mittelmeer schaffen. Einerseits sollen die Überwachungen aus der Luft verstärkt werden, andererseits ist der Rückzug aus den internationalen Gewässern geplant. Rettungsoperationen werden voll und ganz den einzelnen EU-Staaten, hier also Italien, aufgebürdet. Da immer mehr Boat-people nicht mehr von Libyen, sondern von Ägypten aus starten werden – angesichts der Kriegssituation in Libyen – wird es vorhersehbar zu mehr Schiffskatastrophen südöstlich von Italien kommen, in der Zone zwischen Kreta und Sizilien. Genau hier werden die Frontex-Meerespatrouillen zurückgefahren werden.

Hier der aktuelle Einsatzplan von Frontex Plus – Triton, Dokument:

Frontex 2014: Concept of reinforced joint operation tackling the migratory flows towards Italy

SOS aktuell

400 Boat-people zwischen Griechenland und Sizilien

„Ricevo da Nawal Siryahorra e diffondo: Sos dal mare. Piu‘ di 400 persone sono state abbandonate dallo scafista e quindi 3 tre giorni queste persone navigano senza meta… 2 bambini hanno perso i sensi. Chiamata con la guardia costiera h 08:10

Dalle coordinate fornite dai profughi durante la telefonata dovrebbero essere a metà strada tra la Grecia e la Sicilia, su una rotta molto più a nord di quelle seguite in precedenza, potrebbero essere partiti addirittura dalla Turchia. Di certo per trovarsi in quella posizione non sono partiti nè dalla Libia, nè dall’Egitto.

Non si può escludere che, oggi, o nei prossimi giorni, ci possano essere altre imbarcazioni sulla stessa rotta, considerando la quantità di persone, siriani e palestinesi soprattutto, che dalla Siria sono fuggite in Turchia, o che l’Egitto ha respinto verso la Turchia in quest’ultimo paese.“

via Diritti e Frontiere

Alarm Phone in Vorbereitung

„Watch The Med Alarm Phone“ in Vorbereitung

Seit einigen Monaten arbeiten verschiedene Netzwerke an der Einrichtung eines alternativen Alarmnetzwerkes für den mediterranen Raum und zwischen Ende September und dem 11. Oktober (dem ersten Jahrestag der weniger bekannten Left-to-die-„Tragödie“ mit über 250 toten syrischen Flüchtlingen) sind diverse transnationale Aktivitäten in Planung, um dieses neue Projekt der Intervention in die Öffentlichkeit zu bringen.
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S. Federici, Caliban und die Hexe

REZENSION

Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation

übersetzt von Max Henninger.
Wien (Mandelbaum) 2012
(Englische Ausgabe: Autonomedia 2004)
316 S., 26.90€

federiciSilvia Federici hat ein ganz außergewöhnliches Buch über die Subsumtion der Menschenkörper, der Reproduktion und der Arbeitskraft unter das Kapitalverhältnis geschrieben – über einen Prozess, der als Krieg gegen das Rebellische und als Krieg gegen die Frauen überzeugend dargestellt wird. Wir könnten dieses Buch als quasi zweiten Band zu Robert Bartlett´s Making of Europe lesen: Bartlett beschreibt das mittelalterliche Europa als Produkt der Gewalt des fränkischen Adels gegen die Kelten, die Sachsen und auf den Kreuzzügen. Federici beschreibt das neuzeitliche Europa als Produkt der Gewalt gegen den revolutionären Aufbruch der Unterschichten im späten 13. Jahrhundert, einer zunehmend sich verstaatlichenden Gewalt, die dem globalen Kapitalverhältnis im andauernden Krieg gegen die Bauern, gegen die Frauen und gegen die Kolonisierten zum Durchbruch verhilft. Der Staat konstituiert sich durch die Monopolisierung dieser Gewalt als Verwalter der Bevölkerungen, der Klassenverhältnisse und der Reproduktion der Arbeitskraft. Es ist diese Gewalt, der nichts heilig ist, die als konstitutiv und wesentlich für den europäischen Sonderweg begriffen werden muss – nicht nur als Geburtshelfer des Kapitals, wie Marx es in seinem berühmten Kapitel über die Ursprüngliche Akkumulation beschrieben hat, sondern als immanente Dimension des europäischen Rationalismus.

Aber der Reihe nach. Federici setzt in guter operaistischer Tradition die Revolte vor die Reaktion, und sicherlich ist die Brutalität, mit welcher die herrschenden Klassen, ein bigottes Bündnis von Adel, Bürgertum und Klerus, die Ursprüngliche Akkumulation in Gang brachten, nicht zu verstehen ohne die Vorgeschichte, dass die Entwicklung Europas am Ende des 14. Jahrhunderts an einem Scheideweg stand. Die Revolution war möglich, wie wahrscheinlich nie mehr seit diesem Zeitpunkt.

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